Donnerstag, 10. März 2011

....und heimwärts

Das Aufregendste des gesamten Urlaubs war die Rückreise nach Deutschland. Ich dachte großzügig geplant zu haben, als ich 4 Stunden vor Abflug das Hostel verliess. Im Bus mit meinem Bruder, stellte ich, gelenkt durch göttliche Gnade, zufällig fest, dass ich nicht meinen, sondern Steves Reisepass eingepackt hatte. 3 Schweißausbrüche und 5 Kramminuten später fand ich GOTT SEI DANK auch meinen Ausweis in meinem Gepäck...alternativ hätte er auch bei Steve Zuhause im 80 km entfernten Jerusalem liegen können.
Das letzte Stück zum Flughafen sollte mich ein Zug bringen. Gut gelaunt stand ich am Gleis und freute mich über mein super Timing. Mit dem Zug, den mir die Dame am Fahrkartenschalter ankündigte, würde ich genau 3 Stunden vor Abflug den Flughafen erreichen, so wie man es in Israel von jedem empfohlen bekommt. Die Züge kamen und fuhren wieder, aber keiner hatte das Ziel "Flughafen", leicht nervös entschied ich mich für eine repräsentative Umfrage der Menschen am Gleis. Leider bekam ich betreffs des Flughafenzuges genau so viele unterschiedliche Antworten, wie ich Menschen fragte. Der Termin, den mir die Dame am Schalter genannt hatte, war nicht dabei. Hoffend und bangend folgten ein paar weitere Schweißausbrüche, aber immer noch kein Zug. Schließlich erfuhr ich von einem Bahnmitarbeiter, dass normalerweise 2 Züge pro Stunde zum Flughafen führen, 11h sei aber eine besondere Stunde, zu der nur einer führe. Mittlerweile hatte ich jede Menge neuer Freunde gefunden, deren Flugzeuge alle etwa eine Stunde später als meins abflogen, die mich aber durch gutes Zureden vor einem Nervenzusammenbruch bewahrten. Ich rechnete mir aus, dass ich mit dem verheissenen Zug knapp 2,5 Stunden vor Abflug den Flughafen erreichen würde. Als die Abfahrtszeit gekommen war, fehlte allerdings immer noch jede Spur des Zuges. Nach weiteren qualvollen 10 Minuten des Bangens, bog er dann doch noch um die Ecke.

Nun konnte man mich, gut 2 Stunden vor Abflug in das Flughafengebäude hechten sehen. Dort angekommen krallte ich mir den erstbesten Mitarbeiter, der mir den Weg wies und mich zur Eile anhielt. In der Abfertigungshalle tat sich vor mir dann eine nicht zu überblickende Menschenmasse auf. Alle würden noch vor mir durch die langwierigen Sicherheitskontrollen müssen. Vor meinem inneren Auge verliess mein Flieger bereits ohne mich das Land wo Milch und Honig fließen. Aber anstatt mir zu überlegen, wie ich mich die nächsten Tage in Israel vergnügen könnte, wendete ich mich doch lieber an eine Mitarbeiterin, die mir, nach einem Blick auf mein Flugticket, bedeutete, mich in einer Sonderschlange mit nur wenigen Menschen anzustellen. Die Wartezeit nutzte ich, um mich mental auf die Psychofragen der Angestellten einzustellen und meine Herzfrequenz wieder auf ein normales Tempo runterzuschrauben.

Die Psychofragerei verlief relativ glimpflich: "Was hast du denn vor ein paar Jahren in Malaysia gewollt?", "Mit wem warst du da?", "Warum um alles in der Welt hat sich dein Bruder Israel ausgesucht, um seinen Freiwilligendienst zu leisten?", "Sprechen die Autisten in seiner Einrichtung Arabisch oder Hebräisch?", "Hast du evtl. Sprengstoff in deinem Rucksack?"
Auch das Gepäck wurde fachmännisch durchwühlt, währenddessen ich noch mal die selben Fragen beantworten durfte. Dann noch mal anstellen, für den Ausreisestempel. Dann zum Abflugsgate, um festzustellen, dass ich noch gemütliche 10 Minuten Zeit hatte, um nach Herzenslust meine letzten Schekel im Dutyfreeshop zu verprassen. Als ich damit fertig war, stellte ich fest, dass mein Abflugsgate geändert wurde...wieder durch den Flughafen hetzen, um dann in einem Knäul völlig aufgewühlter deutscher Rentner zu landen, die sich fragen, warum wir immer noch nicht einsteigen können, obwohl die angegebene Zeit doch schon um 5 Minuten überschritten ist.

Mit einer halben Stunde Flugverspätung fand ich mich dann doch noch über den Wolken, gen Heimat fliegend, wieder und biss vergnügt in den trockenen Bagel mit Truthahn, den man mir servierte.

2 Kommentare:

  1. aaah sterni, das klingt ja genau nach einem reiseabenteuer, wie du es so liebst :) nachdem ich deinen bericht las, war ich erneut hocherfreut darüber, dass ich mich für die taxi-variante zum flughafen entschieden habe. super, ich bin stolz auf mich. und natürlich auf dich, wie du das mal wieder gemeistert hast :)

    AntwortenLöschen
  2. Sterni, ich schließe mich an mit dem Stolz sein auf dich! Schön, dass du so ausdauernd und sportlich bist und dich nicht aus der Ruhe bringen lässt , außer ein paar Adrenalinstößen!
    In welcher Sprache wird man eigentlich im Flughafen "untersucht"? Ich glaube ich könnte schon deshalb nicht einreisen, weil sie mich nicht wieder raus lassen würden bei meinen Englischkenntnissen, müsste schon einen ritterlichen Übersetzer an meiner Seite haben!
    Schön, dass du heil wieder da bist, dann lass man alles noch ein wenig "einwirken"! Küssi

    AntwortenLöschen